Veranstaltung in Hamburg als MP3

Alle, die es nicht geschafft haben, zu einer der Veranstaltungen zu gehen, können sich hier eine Aufnahme der Veranstaltung in Hamburg als MP3 runterladen. Danke an FSK für die Bereitstellung des Aufnahmegerätes!

Leerstand zu Wohnraum in Sevilla

In der Provinz Sevilla sind zwischen 2010 und 2011 ca 6000 Familien aus ihren Wohnungen geräumt worden, während geschätzte 118 000 Häuser leerstehen.
Weil diese Situation nicht länger tragbar ist, haben 5 Familien am Donnerstag dem 30 August ein leerstehendes Haus in Sevilla besetzt.
Auf ihrer Homepage erklären sie:
„Wir haben uns entschieden, dass wir nicht zulassen werden, dass unsere Familien für die aktuelle ökonomische Krise zahlen. Wir werden nicht auf der Straße schlafen, während es tausende von leerstehenden Wohnungen gibt. Deshalb haben wir beschlossen, uns in dem Gebäude einzuquartieren, das seit einigen Jahren leersteht, und das vor dem Hintergrund der aktuellen ökonomischen Entwicklung noch lange Zeit lehrstehen wird.“
Das Haus, dem die Besetzer_innen den Namen „Corrala la Alegría“ gegeben haben, befindet sich im Besitz der Firma „Inversiones Plaza Nueva”, die für den Kauf einen Kredit in Höhe von 2.084.333 Euro bei der im Juli verstaatlichten Bank Bankia aufgenommen hat. Während sich Finanzinstitute in Spanien bei Privathaushalten wenig zimperlich zeigen und bereits nach einer nichtgezahlten Rate für eine Hypothek ein Vollstreckungsverfahren einleiten, gewährte Bankia der Firma bereits dreimal einen Zahlungsaufschub. Nach Angaben der Besetzer_innen müsste die Firma, um keine Verluste zu machen, die Wohnungen zu einem Quadratmeterpreis von 4300 Euro verkaufen – was angesichts von durchschnittlichen Quadratmeterpreisen von 2200 Euro für Eigentumswohnungen im Stadtteil absolut unrealistisch ist. Inversiones Plaza Nueva behauptet, das Haus in ein Hostel umwandeln zu wollen – laut Angaben der Besetzer_innen ist aber auch das unrealistisch, denn einen solchen Umbau beantrage das Unternehmen von der Stadtregierung schon seit Jahren. Das Haus sei von der Gebäudestruktur her nicht als Hostel geeignet, ein Umbau würde sich daher nicht rechnen. Von daher gehen die Besetzer_innen davon aus, dass es sich bei der Immobilie letztenendes um ein toxisches Wertpapier für Bankia handelt. Inversiones Plaza Nueva hat indes Anzeige erstattet, um eine baldige Räumung des Hauses zu erwirken.
Die Besetzer_innen leben alle unter den extrem prekären Bedingungen, die die Krise für Millionen von Spanier_innen bedeutet: Sie sind arbeitslos, oder haben Jobs, die aber so schlecht bezahlt werden, dass sie sich davon keine Wohnung leisten können. Sie selbst oder ihre Familien sind von Zwangsenteignungsverfahren in Folge von nichtgezahlten Raten für Hypotheken betroffen, und leben mit der latenten Drohung, gar kein Dach mehr über dem Kopf zu haben. “Es ist obszön, dass tausende Familien unter der Last von maßlosen Hypotheken oder überhöhten Mieten erstickt werden, während das einfache Überleben jeden Tag schwieriger wird,“ so die Besetzer_innen. Sie erklären, dass sie bereit sind, Miete zu zahlen, aber eine Miete, die abhängig von ihrem Einkommen ist. Darüber hinaus fordern sie, dass der Zugang zu Wohnraum erleichert und das Recht auf Wohnraum für alle durchgesetzt wird.

Quellen:
http://www.diagonalperiodico.net/El-nuevo-edificio-ocupado-en.html

http://www.elcorreoweb.es/sevilla/152558/edificio/ocupado/calle/feria/bankia/iba/hostal

http://www.emartv.es/2012/09/05/el-derecho-a-la-vivienda-debe-alcanzarse-igual-que-en-su-dia-se-consiguio-el-acceso-a-la-sanidad-o-la-educacion/#.UEeA74lf1_c.blogger

http://corrala-alegria.blogspot.com.es

AK-Artikel über Bewegung gegen Zwangsräumungen

In der Zeitschrift Analyse und Kritik ist im April ein Artikel über die Bewegung gegen Zwangsräumungen erschienen. Alle, die noch kein Abo haben oder die Ausgaben zu Hause nicht ordentlich archivieren können ihn hier noch mal nachlesen (mehr…)

Veranstaltungstermine

Samstag, 01.09. Berlin 18:00 Uhr, Gecekondu, Admiralstr. 1-2, Berlin-Kreuzberg (gegenüber vom „Südblock“)
Sonntag, 02.09. Rostock 20:00 Uhr, Peter-Weiß-Haus
Montag, 03.09. Hamburg 20:00 Uhr, Aula der Ganztagsschule St. Pauli, Bernhard-Nocht-Straße 12
Mittwoch, 05.09. Düsseldorf 20:00 Uhr, Linkes Zentrum
Donnerstag, 06.09. Bochum 19:30 Uhr Soziales Zentrum
Freitag, 07.09. Hanau 19:30 Uhr, AKZ Metzgerstraße
Samstag, 08.09. Marburg

Veranstaltungstour zur spanischen Bewegung gegen Zwangsräumungen

Die Krise in Spanien nimmt immer dramatischere Ausmaße an: Jeden Tag werden derzeit 517 Haushalte aus ihren Wohnungen geräumt, weil sie infolge von Arbeitslosigkeit die Raten für die Tilgung der Hypothek nicht mehr bezahlen können. Während bis zu 6 Millionen Wohnungen leer stehen, sind seit 2008 rund 400 000 Haushalte auf die Straße gesetzt worden!

Zum Hintergrund: Der Anteil von Mietwohnungen am gesamten Wohnungsbestand liegt in Spanien bei lediglich 10%. Daher ist es die Regel, dass auch NormalverdienerInnen Kredite aufnehmen, um eine Wohnung zu erwerben. Für die geräumten Familien ist die Situation ein real gewordener Alptraum: Die Zahlungsunfähigkeit führt dazu, dass sich die kreditgebenden Banken ihre Wohnungen aneignen – da der Wert der Wohnungen mit dem Platzen der Immobilienblase massiv gesunken ist zu einem Bruchteil des ursprünglichen Kaufpreises. Die Betroffenen verlieren nicht nur ihr Dach über dem Kopf: Da es in Spanien keine Privatinsolvenz mit Restschuldbefreiung gibt, bleiben sie auch noch auf einem Berg von Schulden sitzen, den sie niemals im Leben abbezahlen können!

Aber immer mehr Menschen wehren sich gegen diese Situation: Im ganzen Land wurden mittlerweile mehrere hundert Zwangsräumungen verhindert, weil sich NachbarInnen gemeinsam der Polizei in den Weg gestellt haben. Die Betroffenen und ihre UnterstützerInnen üben Druck auf die Banken aus, damit sie weiterhin in ihren Wohnungen wohnen bleiben können. In einigen Städten sind obdachlos gewordene Familien dazu übergegangen, Häuser zu besetzen. Parallel läuft derzeit eine Gesetzesinitiative, die die Entschuldung und das Behalten der Wohnung bei einer einkommensabhängigen Miete regeln soll.

Mitglieder der Plataforma de los Afectados por la hipoteca (Plattform der Betroffenen der Hypothek) werden am vom 1.9. – 07.09. auf Veranstaltungen in Berlin, Rostock, Hamburg, Bochum, Düsseldorf und Hanau ausführlich über die Situation und den Widerstand berichten.